• Der Struwwelpeter – Heinrich Hoffmann

    Struwwelpeter

    Ehrlich gesagt, kann ich nicht verstehen, warum alles was früher normal, gut und erzieherisch wertvoll war, heute als brutal und kindergefährdend eingestuft wird.

    Ich hatte weder Ängste noch Albträume, nachdem mein Vater mir den Struwwelpeter vorgelesen hat. Auch meine Kinder, denen ich die Geschichte vorgelesen habe, hatten dergleichen nicht.

    Nun ja, man könnte ja sagen, dass meine Generation früher weniger aufgeklärt war als heute. Dass man früher nicht begriffen hat, welche Ängste Kinder durch dieses Buch entwickeln könnten.

    In meiner Erinnerung haben meine Eltern mir durch den Struwwelpeter sogar bildlich erklären können, wie ungepflegt man aussieht, wenn man sich weder die Haare schneiden lässt, noch die Fingernägel. Und was passieren kann, wenn man mit Feuer spielt. Wie es einem gehen könnte, wenn man einen Hund ärgert. Dass der Kasper verhungert, weil er seine Suppe nicht ist, sollen doch schlecht essende Kinder nur ermutigen zu essen. In meinen Augen nicht mehr aber auch nicht weniger. Selbst die Geschichte vom schwarzen Buben ist doch gerade in der heutigen Zeit wieder hochaktuell. Klar ist die Strafe übertrieben, dass der Niklas sie dafür ins Tintenfass steckt, aber das soll es ja auch sein.

    Auch die Geschichte vom Zappel-Philip ist aktuell wie nie. Heute nennt man Kinder, die keine Minute still sitzen hyperaktiv und behandelt sie mit Medikamenten.

    Speziell die Geschichte vom Hans-Guck-in-die-Luft; erinnert mich an ein Erlebnis mit meiner Tochter, die während eines Spaziergangs in der Gegend herumschaute und sich dadurch an einer Laterne eine ordentliche Beule zuzog.

    Sicher, mir haben nicht alle Geschichten im Struwwelpeter gefallen, aber soweit ich mich erinnern kann, wusste ich als Kind schon, dass man Daumenlutschern nicht den Daumen abschnitt. Und bei Sturm und Regen durfte ich auch nicht ohne Begleitung spazieren gehen, deshalb erübrigte sich für mich die Geschichte vom fliegenden Robert. Und über die Geschichte vom wilden Jäger haben meine Kinder und ich nur gelacht. Ich glaube, dass jedes Kind weiß, dass ein Hase weder ein Gewehr in seinen Pfoten halten kann, noch in der Lage wäre, damit zu schießen.

    Ich glaube jedenfalls nicht daran, dass Heinrich Hoffman mit dem Struwwelpeter Ängste und Furcht verbreiten wollte. Ich glaube vielmehr, dass er im überspitzten Sinne darauf hinweisen wollte, wie man Kindern vor Augen führt, was alles passieren kann. Für mich war und ist „Der Struwwelpeter“ ein tolles Kinderbuch, das man seinen Kindern nicht vorenthalten sollte. Deshalb gebe ich auch fünf Sterne.

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